«Die Arbeitshaltung in der Wissenschaft ist einzigartig.»

Barbara Hellriegel

Prof. Dr. Barbara Hellriegel
Zoologie, Mathematische Biologie. Barbara Hellriegel ist externe Titularprofessorin der UZH und bildet Masterstudierende und Doktorierende in mathematischer Modellierung und Statistik aus. Sie arbeitet als Editorin für angewandte  Mathematik und Informatik bei einem Wissenschaftsverlag.

Laufbahn

1989 Diplom in Mathematik, Nebenfach Biologie,
FU Berlin, Deutschland
1993 Promotion in Zoologie, Universität Basel
1994 – 1995 Wiss. Mitarbeiterin, Semafor Informatik &
Energie AG, Basel
Postdoc in Theoretischer Ökologie, UZH
1995 – 2001 Postdoc und  Oberassistenz in Evolutions-
ökologie, UZH
2001 Venia Legendi in «Zoologie, speziell Mathe-
matische Biologie», UZH
2001 – 2002 Professur-Vertretung in Angewandter
Mathematik, Universität Bonn, Deutschland
2002 – 2003
 
Senior Researcher, Sylvia Lawry Center of Multiple
Sclerosis Research, TU München, Deutschland
2003 – 2004 Senior Researcher, Institut f. Medizinische
Statistik u. Epidemiologie, TU München,
Deutschland
2004 – 2005 Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin,
Deutschland
2005 – 2007 Wiss. Mitarbeiterin, Anthropologisches
Institut & Museum, UZH
2007 – 2008 Gast-Professur in Verhaltensbiologie, Universität
Siegen, Deutschland
2008 – 2009 Beraterin, Computer Brainware Advisors, Zürich
seit  2009 Titularprofessorin UZH
Editorin, Birkhäuser Springer Verlag, Basel

Prof. Dr. Barbara Hellriegel

Weshalb haben Sie sich für die Wissenschaft entschieden?

Nach der Dissertation war es mir wichtig, auch die Privatwirtschaft kennen zu lernen. Da mich vor allem Inhalte interessieren, bin ich nach einem Jahr in die Wissenschaft zurückgekehrt. Durch die befristeten Anstellungen und meine Offenheit habe ich viele verschiedene Gebiete kennen gelernt, zu denen die Mathematik Interessantes beitragen kann. Die erworbene thematische Breite ermöglicht mir ungewohnte Perspektiven und neue Ideen.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?

Die Arbeitshaltung in der Wissenschaft ist ansteckend und einzigartig. Diesen inhaltlich motivierten Enthusiasmus findet man sonst kaum. Zudem gefallen mir der internationale Charakter der Forschung, die grosse Vielfalt interessanter Fragestellungen, die Interdisziplinarität und die geistige Flexibilität. 

Gab es in Ihrer Karriere Durststrecken oder Misserfolge? Wie überwanden Sie diese?

Das Interessante war oft zugleich auch das Schwierige. Ich bin bewusst dorthin gegangen, wo es spannende Fragen an der Schnittstelle zwischen Mathematik und Biologie bzw. Medizin gab. Viele dieser interdisziplinären Stellen sind zeitlich befristet. Deshalb konnte ich mir immer wieder völlig neue Themen erarbeiten und musste mir neu einen Namen machen. Mit diesem Werdegang passt man nicht optimal in das übliche akademische Karriereschema. Ich habe jedoch immer weiter gemacht: Ich suche und finde Lösungen.

Wer hat Sie in Ihrem beruflichen Umfeld am stärksten unterstützt? Wer im privaten Bereich?
Initiative und Motivation kamen in erster Linie von mir selbst. Unterstützt wurde ich eher punktuell, einen eigentlichen Mentor hatte ich nicht. Ich bin deshalb eine grosse Anhängerin des Peer Mentorings und habe mich hier an der UZH stark engagiert. Privat hat mich meine Familie sehr unterstützt. 

Hatten Sie Vorbilder, die Ihren Werdegang beeinflusst haben? 
Häufig war ich die einzige Theoretikerin und hatte damit keine direkten Vorbilder. Geprägt hat mich meine Kindheit: Die Familie ist an vielen Wochenenden mit den Pflanzen- und Vogelbestimmungsbüchern unterm Arm gewandert. Das mathematische Interesse habe ich mit meinem Vater geteilt.

Wie stellen Sie Ihre Work-Life-Balance sicher?
Ich habe immer versucht, gemeinsam mit anderen Sport zu treiben: Skifahren, Judo, Laufen, Konditionstraining. Allerdings gab es beruflich bedingt wiederholt Unterbrüche. Momentan ist v.a. Laufen mit dem ASVZ angesagt.

Welche Tipps geben Sie einer Jungforscherin, die eine akademische Karriere ins Auge fasst, auf den Weg?
Machen Sie die Doktorarbeit in dem Fach, das sie studiert haben. Einen Fachwechsel sollten Sie das aus karrieretechnischen Gründen sehr gut vorbereiten und terminieren. Vernetzen Sie sich, suchen Sie aktiv Mentoren und Mentorinnen und sorgen Sie dafür, dass man Sie kennt. Arbeiten Sie immer so auf den nächsten Karriereschritt hin, als ob Sie ihn tatsächlich machen wollten – wenn Sie Ihre Meinung dann ändern, haben Sie auch für das neue Ziel das Beste getan.

Anthropologisches Institut und Museum
Universität Zürich
Winterthurerstrasse 190
CH-8057 Zürich
Tel. 044 635 54 11 (Sekr.)
barhell (at) aim.uzh.ch