«Meine Triebfeder ist Neugier.»

Barabara König

Prof. Dr. Barbara König
Zoologin, Verhaltensforschung. Barbara König erforscht das Verhalten von Tieren.

Laufbahn

1974 – 1979 Biologiestudium, Universität Konstanz, Deutschland
1980 Graduate Student, Zoologie, Monash
University, Melbourne, Australien
1981 – 1985 Doktorat in Biologie, Universität
Konstanz, Deutschland
1985 – 1988 Postdoc, Biologie, Universität Basel
1995 Habilitation in Zoologie, Universität
Würzburg, Deutschland
1996 Heisenberg-Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft
ausserordentliche Professorin für Zoologie, speziell
1996 - 2012 Ausserordentliche Professur, Verhaltensbiologie, UZH
seit 2012 Ordentliche Professur, Verhaltensbiologie, UZH

Prof. Dr. Barbara König

Forschungsthema

Barbara König und ihre Gruppe erforschen das Sozialverhalten von Tieren, unter anderem das von bedrohten Tierarten. Auch wenn es für uns Menschen eine Selbstverständlichkeit ist sozial zu interagieren, verbirgt sich aus evolutionsbiologischer Sicht dahinter eine grundlegende Problematik: Wie wird verhindert, dass kooperatives Verhalten durch den Partner ausgenutzt wird? Um diese Frage zu beantworten, untersucht Barbara König die Mechanismen, die bei Säugetieren soziale Interaktionen fördern und stabilisieren und wie das Sozialverhalten den Fortpflanzungserfolg fördert, bzw. welchen Einfluss es auf die Strukturierung von Gruppen und Populationen hat. Um diese Fragen zu beantworten, kombiniert Barbara König  Freilandstudien mit Laborexperimenten. Neben Verhaltensdaten werden auch Informationen zur Physiologie, Morphologie und Genetik gewonnen.

 

Eines der Forschungsprojekte von Barbara König ist «wilden» Hausmäusen (Mus domesticus) gewidmet. Dort interessiert sie die Kooperation unter Weibchen bei der gemeinschaftlichen Jungenaufzucht. In erster Linie geht es um Fragen, wie  das  mütterliche Verhalten die zukünftige Kooperationsbereitschaft der Jungen beeinflusst, wie sich die sozialen Beziehungen unter den Kooperationspartnerinnen entwickeln, welche Folgen die Sozialpartnerwahl für die Fitness eines Weibchens hat und wie verhindert wird, dass ein Weibchen die Milchproduktion der Partnerin zu Gunsten der eigenen Nachkommen ausnutzt? In einer frei lebenden Population hat Königs Forschungsgruppe kürzlich Hinweise dafür gefunden, dass ein so genanntes egoistisches genetisches Element - der t-Haplotyp (eine genetische Variante des Chromosoms 17) - das Sozialverhalten zumindest der Weibchen grundlegend beeinflusst. Bei afrikanischen Striemengrasmäusen (Rhabdomys pumilio) erforschen Mitglieder des Teams die Evolution, Ökologie und Physiologe des Gruppenlebens, des väterlichen Verhaltens und der ungewöhnlichen sozialen Flexibilität dieser Kleinnager. Dagegen stehen naturschutzbiologische Fragen im Zentrum eines Projektes über Leoparden und Löwen in Botswana. Weiterhin erforscht Barbara Königs Gruppe angewandte Aspekte artgerechter Tierhaltung und der Mensch-Haustier-Beziehung.

 

Wissenschaftliche Arbeit versus andere Berufstätigkeit: Weshalb haben Sie sich für die Wissenschaft entschieden?
Meine Triebfeder war und ist Neugier – eine akademische Karriere aufzubauen war anfangs nicht das Ziel. Nach meiner Postdoc-Zeit arbeitete ich während anderthalb Jahren als Übersetzerin, nahm dann aber erneut eine wissenschaftliche Stelle an. Erst zu diesem Zeitpunkt habe ich mich aktiv für den akademischen Weg entschieden.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
Meine Arbeit ist in vielen Aspekten sehr befriedigend: Hier hole ich meine intellektuelle Herausforderung und Freude. Aber auch die Freude an der biologischen Vielfalt mit all ihren faszinierenden Verhaltensleistungen, die durch den Prozess der Evolution entstanden sind. Durch meine Arbeit lerne ich ausserdem unglaublich interessante Persönlichkeiten kennen. Und ich arbeite gerne mit jungen Menschen zusammen. So ist es mir im Rahmen meiner Mitarbeit in verschiedenen Forschungsförderungsinstitutionen ein wichtiges Anliegen, begabte Nachwuchswissenschaftlerinnen und –wissenschaftler beim Verfolgen ihrer akademischen Laufbahn zu unterstützen.

Gab es in Ihrer Karriere Durststrecken oder Misserfolge? Wie überwanden Sie diese?
Wissenschaft und Forschung bestehen definitionsgemäss aus Durststrecken: Im Vordergrund stehen stets die Dinge, die man noch nicht kennt oder versteht - als Forscher ist man laufend mit dem eigenen Nichtwissen und Zweifeln konfrontiert. Das strapaziert. Hat man aber nach mühevoller Arbeit einen kleinen Mosaikstein zum Verständnis eines grösseren Fragenzusammenhangs beigetragen, entschädigt das Gefühl der Befriedigung und Freude für alle Strapazen.

Wer hat Sie in Ihrem beruflichen Umfeld am stärksten unterstützt? Wer im privaten Bereich?
Ich komme nicht aus einer akademischen Familie: Es war somit keinesfalls klar, dass ich eine akademische Laufbahn einschlagen würde. Im universitären Alltag waren für mich drei Wissenschaftspersönlichkeiten - darunter mein Doktorvater - entscheidend, die an mich geglaubt und mir Sachen zugetraut haben, von denen ich selbst nicht wusste, dass ich sie konnte. Alle drei sind nicht nur hervorragende Forscher, sondern auch integere, feine Menschen.

Hatten Sie Vorbilder, die Ihren Werdegang beeinflusst haben? Welche?
Mich beeindrucken Menschen, die mit sich selbst im Gleichgewicht sind, in sich ruhen, und eine Fragestellung oder ein Thema vor die berufliche Karriere stellen. In wissenschaftlicher Hinsicht bewundere ich die Fähigkeit, ein Problem sowohl konzeptionell integrativ als auch detailgenau zu bearbeiten.

Wie stellen Sie Ihre Work-Life-Balance sicher?
Ich geniesse das Privileg, auch in meiner Freizeit Forscherin zu bleiben – so ist das Fernglas immer dabei, wenn ich auf Reisen bin. Im Alltag lüfte ich meinen Kopf aus bei der Gartenarbeit, auf einem Spaziergang mit unseren beiden Mischlingshunden oder bei einem spannenden Krimi. 

Welche Tipps geben Sie einer Jungforscherin, die eine akademische Karriere ins Auge fasst, auf den Weg?
Ausgangspunkt und Antrieb sollten die eigene Neugierde und die Begeisterung für das Fachgebiet, nicht die Karriere sein. Lassen Sie sich weiterhin nicht in eine verfrühte oder vermeintliche Entscheidung zwischen Karriere und Familie drängen – eventuell reagiert Ihre Umgebung inklusive Ihr Arbeitgeber wesentlich verständnis- und rücksichtsvoller als Sie meinen, wenn sich Nachwuchs einstellt. Frauen hören ja bekanntermassen keineswegs auf zu denken, wenn sie schwanger sind oder ein Kleinkind betreuen. Wohl ist die wissenschaftliche Produktivität vorübergehend vermindert und das Organisationstalent wird häufig einer Belastungsprobe ausgesetzt, aber im Endeffekt ist wichtig, ob Sie Ihre eigenen Wünsche und Ziele umsetzen können.

 

Institut für Evolutionsbiologie
und Umweltwissenschaften

Universität Zürich
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Tel. +41 44 635 52 70
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