"Die Macht zu gestalten, gefällt mir."

Ulrike

Prof. Dr. Ulrike Müller-Böker
Geographin, Human Geographie. Ulrike Müller-Böker untersucht die Lebensumstände von wirtschaftlich armen Menschen in einer Welt, in der die Globalisierung auch in marginalen Gebieten immer stärkeren Einfluss hat. 

Laufbahn

1973-1978  Geographiestudium, Justus-Liebig-Universität, Giessen, Deutschland
 
1983  Ph.D. in Geographie
1993   Habilitation Geographie, Justus-Liebig-Universität, Giessen, Deutschland
1996-2002  AOP für Geographie, UZH
seit 2002 

OP für Geographie, UZH

Prof. Dr. Ulrike Müller-Böker

Forschungsthema
Wissenschaftliche Studien zu den Auswirkungen der Globalisierung in peripheren Regionen sind bis heute Mangelware. Experten stellen eine Tendenz zur immer grösseren sozialen Ungleichheit fest - zur Polarisierung zwischen arm und reich. Doch für die Weltbank und den IWF ist dies kein Grund zur Besorgnis: Die soziale Ungleichheit könne für Menschen aus wirtschaftlich schwachen Schichten ein Anreiz sein, sich zu bemühen ihre Verhältnisse zu verbessern. Ist dem tatsächlich so? Ulrike Müller-Böker geht dieser Frage auf den Grund. Und sieht genau hin, wo andere wegsehen: Sie untersucht die Lebensumstände von wirtschaftlich armen Menschen in einer Welt, in der die Globalisierung auch in marginalen Gebieten immer stärkeren Einfluss hat. Insbesondere untersucht sie deren Möglichkeiten, aus der Armutsfalle heraus zu kommen.

Weshalb haben Sie sich für die Wissenschaft entschieden?

Ich bin eine Spät-68erin und habe mich schon früh für andere Kulturen und Lebensbedingungen interessiert:
Ich bin viel gereist, v.a. in Entwicklungsländern. Als Studentin bot sich mir die Chance, in einem Nepal-Forschungsprojekt mitzuarbeiten und zu publizieren.
Der Leiter des Projekts empfahl mir zu doktorieren.
Auch sonst erhielt ich viel Zuspruch. Dank dieser Ausgangslage
habe ich mir nie ernsthaft überlegt, etwas
anderes als Forschung zu machen.

Gab es in Ihrer Karriere Durststrecken oder Misserfolge? Wie überwanden Sie diese?

Mein Start in der Schweiz war nicht leicht: Ich hatte sofort die ganze Palette der Lehrverpflichtungen zu übernehmen, und es galt, ein neues Netzwrk aufzubauen. Zudem hatte ich in meinem neuen Team ein schwierige Konstellation zu bewältigen. Für mic ist heute klar , dass wir den Forschenden, die wir zu uns berufen, einen guten Start ermöglichen müsse, in dem wir ungünstige Konstellationen vermeiden.

Wer hat Sie in Ihrem beruflichen Umfeld am stärksten unterstützt? Wer im privaten Bereich?

Mein berufliches Umfeld war mir gegenüber immer sehr wohlwollend. Ich hatte immer das Glück, erfahrene, gute Berater und Förderer zu haben. Diese waren überwiegend männlich, denn Frauen waren und sind ja nach wie vor selten in führenden Positionen! Und auch mit meinen verschiedenen Teams hatte ich stets Glück. Das Grundgefühl – ich kann mich auf alle verlassen – half mir in schwierigen Situationen und ist mir ein Ansporn! Für viele Paare ist der universitäre Mobilitätsanspruch ein grosses Problem. In diesem Bereich verdanke ich meinem Mann viel: Wir hatten die Übereinkunft, dass ich mich nur an Orte bewerbe, die auch mit seiner Karriere kompatibel sind. Eine solche günstige Konstellation hat sich zum Glück für uns auch ergeben. Wichtig für die Beziehung scheint mir, dass solche Abmachungen partnerschaftlich ausgehandelt und nicht gegeneinander aufgerechnet werden. Ich halte es für zentral, dass die Hochschulen in Zukunft ein familienfreundlicheres Umfeld schaffen. Auch die Debatte, wie viele Arbeitsstunden pro Woche für eine akademische Karriere nötig sind, sollte dringend geführt werden. 

Wie stellen Sie Ihre Work-Life-Balance sicher?

«Work» ist für mich auch «Life» - die Dichotomie des Begriffs existiert für mich nicht. Meine vielen Funktionen bringen ein grosses Arbeitspensum und manchmal auch Belastung mit sich. Ich achte aber bewusst darauf, die Wochenenden und Ferien frei von Arbeit zu halten. Zudem kann ich gut abschalten: Wenn ich zu Hause bin, bin ich z.B. Hausfrau und fokussiere auf das, was ich gerade tue. Aber, ich wäre schon manchmal froh, weniger arbeiten zu müssen!

Welche Tipps geben Sie einer Jungforscherin, die eine akademische Karriere ins Auge fasst, auf den Weg?

Eine angehende Forscherin sollte sich für ihr Forschungsthema brennend interessieren! Denn sie sollte sich bewusst sein, dass der Leistungsdruck gross ist und in einer akademischen Karriere einige Hürden zu überwinden sind. Entsprechend wichtig ist es, gute Beziehungen zu den Peers zu haben und sich auch nicht abhängig von einem einzigen Mentor oder einer einzigen Mentorin zu machen. Als Frau sollte man sich keinesfalls in die Gutmensch-Ecke abdrängen lassen, sondern sollte auch selektiv die Zähne zeigen können. Frauen sind z.B. nach wie vor in wichtigen Entscheidungsgremien zu wenig vertreten: Sie sollten keine Skrupel haben, hier den Frauenbonus zu nutzen, um ihre Mitsprache zu festigen. 

Geographisches Institut
Universität Zürich
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Tel. +41 44 635 51 70
ulrike.mueller-boeker (at) geo.uzh.ch