«Ich denke, also bin ich.»

Anna Beliakova

Prof. Dr. Anna Beliakova
Niedrigdimensionale Topologie am Institut für Mathematik der UZH.

Laufbahn

1985 - 1990 Physikstudium in Minsk, Weissrussland
1990 - 1994 Dissertation in Physik, Freie Universität Berlin, Deutschland
1995 - 2004 Postdoc in Mathematik, Universitäten Strassburg, Bern, Basel
2003 Habilitation, Universität Basel, Schweiz
2004 - 2009 SNF-Förderungsprofessorin, Mathematik, UZH
seit 2010 Ausserordentliche Professorin für Mathematik UZH

Prof. Dr. Anna Beliakova

Forschungsthemen

Anna Beliakova befasst sich mit mathematischen Knoten. Mit deren Hilfe lassen sich Phänomene der Quantenphysik und damit Eigenschaften der Materie erklären und berechnen. Nebst ihrer Forschung liegt Prof. Beliakova vor allem die Förderung von hochbegabten Kindern und Jugendlichen am Herzen. Kein Wunder. In ihrer Heimat hat die Förderung von talentierten Jugendlichen eine lange und erfolgreiche Tradition. Diese Erfahrungen möchte sie gerne weitergeben und teilen. Und gründete deshalb die «Junior Euler Society Mathematics». Diese gibt mathematisch begabten und interessierten Mittelschülern die Möglichkeit, sich auszutauschen und ihr Wissen zu vertiefen und zu erweitern. Mit Hilfe und unter Anleitung von Anna Beliakova. 

Wissenschaftliche Arbeit versus andere Berufstätigkeit: Weshalb haben Sie sich für die Wissenschaft entschieden?

Als ich studierte, gehörte Weissrussland noch zur UdSSR. Zur Sowjetzeit stellte sich die Frage Wissenschaft versus Wirtschaft nicht. Weissrussland war in Physik und Mathematik weltführend – die übrigen Studiengebiete waren politisch gefärbt und für mich keine Option. Ich habe Physik studiert, weil ich verstehen wollte, wie die Welt funktioniert. 

Als die Mauer 1989 fiel, war ich zufälligerweise in Ostberlin. Ich sah ein Loch in der Mauer und ging ohne zu überlegen durch. Das war die Chance meines Lebens! Ich sprach weder Deutsch noch Englisch, ging aber trotzdem sofort an die Freie Universität Berlin. Irgendwie konnte ich einem der dortigen Physikprofessoren klar machen, dass ich bei ihm doktorieren wollte. Glücklicherweise kannte er sich mit der Sowjetunion aus. Bevor ich starten konnte, musste ich wegen des DAAD-Stipendiums allerdings nochmals zurück nach Weissrussland. In einem riesigen Verwaltungskomplex konnte ich durch Glück jemanden finden, der bereit war, seine Unterschrift unter den Antrag für das Stipendium zu setzen. Wer weiss, was ich ohne diese glücklichen Zufälle heute tun würde?

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?

Mir hat Forschung immer grossen Spass gemacht. Ich habe mich von der theoretischen Physik über die mathematische Physik zur Mathematik hinbewegt. Hier an der UZH habe ich eine Superstelle. Die Förderprofessuren des Schweizerischen Nationalfonds sind – gerade für Frauen mit Familie – absolut einmalig: Ich kann meine eigene Forschungsgruppe zusammenstellen und habe weniger Lehrverpflichtungen als bei einer regulären Professur. 

Gab es in Ihrer Karriere Durststrecken oder Misserfolge? Wie überwanden Sie diese?

In der mathematischen Forschung geht man immer an seine Grenzen, und das ist niemals einfach. 

Wer hat Sie in Ihrem beruflichen Umfeld am stärksten unterstützt? Wer im privaten Bereich?

Eine Schlüsselperson ist mein Doktorvater Professor Schrader von der Freien Universität Berlin. Ich habe aber auch später stets grosses Glück gehabt, in einem angenehmen Umfeld arbeiten zu können. Privat unterstützt mich mein Mann.

Wie stellen Sie Ihre Work-Life-Balance sicher?

Mein Mann und meine beiden Kinder sorgen dafür, dass ich mit einem Fuss stets in der Realität verhaftet bleibe. Unsere Kinder besuchen eine Privatschule mit Ganztagesbetreuung – anders liesse sich unser Berufsalltag nicht bewältigen. In der Freizeit spiele ich Tennis oder wir gehen in die Berge.

Welche Tipps geben Sie einer Jungforscherin, die eine akademische Karriere ins Auge fasst, auf den Weg?

Es braucht harte Arbeit, Neugierde, Hartnäckigkeit, Kreativität und eine stabile Persönlichkeit. Aber das Wichtigste bleibt: Eine akademische Laufbahn macht man, weil man etwas tun und erforschen will – nicht, weil man Professor werden möchte.

Institut für Mathematik
Universität Zürich
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