«In der Spitzenforschung muss man laufend Grenzen überwinden – Grenzen des Wissens, des Könnens, der Bequemlichkeit.»

Elena Conti

Prof. Dr. Elena Conti
Biologie, Evolutionsbiologie. Das primäre Ziel ihrer Forschung ist es, den Ursprung und die Entwicklung der Pflanzenvielfalt zu verstehen.

Laufbahn

1986 Diplom in Biologie, Universität Bologna, Italien
1987 - 1988 Ph.D. Programm in Biosystematik, Universität
Florenz, Italien
1994 Ph.D. in Botanik, University of Wisconsin-Madison, USA
1994 - 1995 Postdoc Washington State University, USA
1995 - 1996 Postdoc, Harvard University, USA
1996 - 1999 Assistenzprofessorin, University of Alaska-Fairbanks, USA
2000 Ausserordentliche Professorin für Evolutionsbiologie, UZH
seit 2012 Ordentliche Professorin für Evolutionsbiologie, UZH

Prof. Dr. Elena Conti

Forschungsthema
Umweltschützer warnen: Immer mehr Pflanzen sterben aus. Sie sprechen von einer drastischen Reduktion der Artenvielfalt. Wie kommt es zu diesem Artenverlust? Ist der Mensch dafür verantwortlich? Elena Conti geht dieser Frage auf den Grund: Sie untersucht die Entwicklung der Artenvielfalt der Pflanzen. Sie erforscht, welche evolutionären Schritte stattfanden, damit manche Pflanzen ausstarben, andere wiederum überlebten. Dieses Wissen schafft die Basis zur Gretchenfrage: Wie wird sich die Pflanzenwelt weiter entwickeln? Wie sieht sie in Zukunft aus? Um diese Fragen zu beantworten, studiert Elena Conti das Erbgut der Pflanzen und die Möglichkeiten der Gene, sich neu anzuordnen und anders zu verteilen. Diese Fähigkeiten sind entscheidend, wenn es darum geht, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Durch Veränderungen und Neukombinationen im Erbgut entstehen zudem neue Arten.

Wissenschaftliche Arbeit versus andere Berufstätigkeit: Weshalb haben Sie sich für die Wissenschaft entschieden?
Ich liebe die Natur und die Berge. Ursprünglich hatte ich ein Forschungsprojekt in Biochemie angefangen, fühlte mich dort aber intellektuell eingeengt. Nach einer dreitägigen Studienexkursion in den Alpen war klar, dass Biologie bzw. Evolution mein Thema ist. Zu Beginn meines Doktorates in den USA wäre ein Wechsel in die Agroindustrie möglich gewesen. Die intellektuelle Freiheit war mir aber stets wichtiger: Im universitären Rahmen forschen zu können, empfinde ich als Privileg.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
Mir gefallen der integrative Ansatz meiner Arbeit und die wissenschaftliche Freiheit. Es macht mir grossen Spass mit meinem Forschungsteam zu arbeiten, die Resultate zu analysieren und zu interpretieren, ein Paper zu schreiben. Die produktive und dynamische Beziehung mit den Mitgliedern meiner Forschungsgruppe ist mir sehr wichtig. Als bereichernd und stimulierend empfinde ich zudem den Dialog mit Forschern aus der ganzen Welt – in der Wissenschaftsgemeinschaft treten kulturelle und politische Unterschiede in den Hintergrund.

Gab es in Ihrer Karriere Durststrecken oder Misserfolge? Wie überwanden Sie diese? 
In der Spitzenforschung muss man laufend Grenzen überwinden – Grenzen des Wissens, des Könnens, der Bequemlichkeit. Die grösste Herausforderung in meinem Leben war sicher, akademische Karriere und Familienleben unter einen Hut zu bringen: Wir kamen aus den USA und kannten hier niemanden. Für eine Familie ist der akademische Mobilitätsanspruch extrem belastend. Glücklicherweise unterstützt mich mein Ehemann vorbehaltlos. In meiner wissenschaftlichen Karriere finde ich es manchmal schwierig mit Leuten umzugehen, die mich aktiv oder passiv zu behindern versuchen.

Wer hat Sie in Ihrem beruflichen Umfeld am stärksten unterstützt? Wer im privaten Bereich?
Stark unterstützt hat mich mein Mentor, Prof. Kenneth Systma, während meiner Dissertation an der University of Wisconsin. Tiefe Dankbarkeit empfinde ich auf für Dekan Truöl: Er ermöglichte es uns als Ehepaar an der UZH zu bleiben, nachdem mein Mann ein Professur an der University of Utah angeboten bekommen hatte.

Hatten Sie Vorbilder, die Ihren Werdegang beeinflusst haben? Welche?
Zwei Frauen haben mich stark beeindruckt: Am Gymnasium meine Griechisch-Lehrerin – ein derart klarer und wacher Geist ist mir nie wieder begegnet – und als Ph.D. Studentin die Professorin Linda Graham, die Mitglied in meinem Dissertationskomitee und eine Spitzenforscherin mit Publikationen in Science und Nature war. Linda ist nicht nur eine erfolgreiche Wissenschaftlerin: Sie ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und als Teamleiterin eine achtsame, fürsorgliche Persönlichkeit – ein Vorbild als Forscherin, Frau und Mensch.

Wie stellen Sie Ihre Work-Life-Balance sicher?
Ich bin an rund 25 Tagen an internationalen Kongressen oder in wissenschaftlichen Komitees im Ausland. Der Sonntag aber gehört meinen Kindern und meinem Mann. Ich setze deshalb bei meiner Arbeit klare Grenzen und kommuniziere diese – ich bin nicht 7 mal 24 Stunden verfügbar. Ich hoffe und vertraue darauf, dass meine Kollegen diese Grenzen verstehen und akzeptieren und dass sie meiner Karriere nicht schaden. 

Welche Tipps geben Sie einer Jungforscherin, die eine akademische Karriere ins Auge fasst, auf den Weg?
Das Wichtigste ist es, mit sich selbst klare Rahmenbedingungen abzumachen.  Eine Jungforscherin sollte sich also primär fragen: Wer bin ich? Welches sind meine Bedürfnisse? Was will ich erreichen? Was bin ich bereit dafür zu tun?

Institut für Systematische und Evolutionäre Botanik
Universität Zürich
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Tel. +41 44 634 84 24
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