«Man muss seinen Traum verwirklichen wollen.»

Esther Stoeckli

Prof. Dr. Esther Stoeckli
Neurobiologie. Die Forschung von Prof. Dr. Esther Stoeckli konzentriert sich auf die molekularen Mechanismen, die der Errichtung von neuronalen Schaltkreisen zugrunde liegen.

Laufbahn

1980 –1985 Biochemiestudium und Diplom, UZH
1985 –1990 Ph.D. in Biochemie, UZH
1990 –1992 Postdoc, UZH
1992 –1996 Postdoc, Case Western Reserve University, Cleveland, USA 
Postdoc, University of California, San Francisco, USA
1997 –2002 Assistenzprofessorin, Neurowissenschaften, Universität Basel
2002– 2009 Ausserordentliche Professorin, Zoologisches Institut, UZH
2010 -2012 Ausserordentliche Professorin, Institut für Molekulare Biologie,UZH
seit 2012 Ordentliche Professorin, Institut für Molekulare Biologie, UZH

Webseite Prof. Dr. Esther Stoeckli

Forschungsthema
Die Professorin und ihr Team erforschen das Nervensystem, genauer gesagt, dessen Entwicklung. Diese umfasst sehr komplizierte und noch ungenügend verstandene Prozesse. Bei Wirbeltieren, also auch beim Menschen, besteht das Nervensystem aus einem Netzwerk von Milliarden miteinander verknüpften Nervenzellen. Dieses Netzwerk entsteht nicht durch irgendwelche zufällige Kontakte, sondern durch solche zwischen den richtigen «Partnerzellen». Die Spezifität der Vernetzung ist ausschlaggebend für ein gut funktionierendes Nervensystem. Doch von welchen Faktoren wird diese beeinflusst? Wie werden die richtigen Partnerzellen erkannt? Welche Moleküle sind beteiligt? Die Projekte von Esther Stoeckli befassen sich mit genau diesen Fragestellungen. Denn falsche Verknüpfungen der Nervenzellen können fatale Folgen haben und beispielsweise die Ursache von Autismus, Schizophrenie oder geistiger Behinderung sein. Nach schweren Verletzungen können falsche Verknüpfungen auch zu chronischen Schmerzen führen. 

Wissenschaftliche Arbeit versus andere Berufstätigkeit: Weshalb haben Sie sich für die Wissenschaft entschieden?
Während meiner Zeit im Gymnasium  bin ich in einem Zuger Buchladen auf  Frederic Vesters Buch «Denken, Lernen, Vergessen» gestossen. Ich habe das Buch verschlungen. Und von diesem Moment an hat mich die Frage nicht mehr losgelassen, was ein Gedanke auf molekularer Ebene ist. Neurobiologie als Studienrichtung gab es zu meiner Zeit noch nicht, ich konnte also mein Wunschfach nicht studieren. Ich habe deshalb Biochemie studiert, um die molekularen Vorgänge im Körper grundsätzlich zu verstehen. Erst mit meiner Diplomarbeit konnte ich mir den Weg in die Neurobiologie bahnen: Mein Weg ging also nicht immer gerade aus, aber ich habe immer sehr genau gewusst, was ich wollte. 

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
Die Frage, wie das Nervensystem entstanden ist, fasziniert mich noch mit der gleichen Intensität wie am Anfang meiner Laufbahn. Die Möglichkeit, an den Themen arbeiten zu können, die mich interessieren, empfinde ich als Privileg. Zudem gefallen mir die Vielseitigkeit meiner Arbeit und die Zusammenarbeit mit meinem Team von jungen Wissenschaftlern: Wenn man einen Schritt weiter gekommen ist, ist das ein wahnsinniges Erfolgserlebnis.

Gab es in Ihrer Karriere Durststrecken oder Misserfolge? Wie überwanden Sie diese?
In der Spitzenforschung gehören Misserfolge und Durststrecken einfach dazu. Es ist entsprechend wichtig, dass man die Fähigkeit besitzt, sich selbst motivieren zu können. 

Wer hat Sie in Ihrem beruflichen Umfeld am stärksten unterstützt? Wer im privaten Bereich?
Mentoren im eigentlichen Sinn hatte ich keine. Geprägt hat mich mein Vater. Er hat mir beigebracht, dass man nur durch Leistung etwas erreichen kann. Für ihn gab es auch keinen Unterschied zwischen mir und meinen Brüdern. Als ich etwa 7 Jahre alt war, hat er mir einen Hammer und Nägel in die Hand gedrückt und gemeint: «Auch als Mädchen musst du das können!»

Hatten Sie Vorbilder, die Ihren Werdegang beeinflusst haben? Welche?
Vorbilder hatte ich keine - ich kannte niemanden, der so war, wie ich gerne sein wollte. Als Professorin und Forscherin bin ich mir allerdings bewusst, dass ich für die Studierenden und die Teammitglieder in meiner Forschungsgruppe eine Vorbildfunktion habe. Weil positive Rollenbilder wichtig sind, engagiere ich mich u.a. auch bei der Kinderuniversität oder in Mentoring Programmen.

Wie stellen Sie Ihre persönliche Work-Life-Balance sicher?
Von der Aussenperspektive betrachtet mag es scheinen, dass ich ausgesprochen viel arbeite. Persönlich nehme ich mein Arbeitspensum anders wahr: Ich gehe total in meiner Arbeit auf. An den Wochenenden sind mein Mann und ich mit dem Rennvelo oder dem Mountainbike unterwegs. Im Winter machen wir Langlauf, am liebsten im Engadin.  

Welche Tipps geben Sie einer Jungforscherin, die eine akademische Karriere ins Auge fasst, auf den Weg?
Man muss einen Traum verwirklichen wollen, muss von einem Thema oder einer Frage absolut fasziniert sein. Weitere Voraussetzung: ein starker Wille. Zudem ist es zentral, dass man sich selbst gut kennt, um zu wissen, was man wirklich will. Angesichts der Vielzahl der Möglichkeiten, die wir heute haben, ist die Fähigkeit, Entscheide fällen zu können, ebenfalls hoch zu bewerten.

Institut für Molekulare Biologie
Universität Zürich
Winterthurerstrasse 190
CH-8057 Zürich 
Tel. +41 44 635 48 40
esther.stoeckli (at) imls.uzh.ch