«Man muss den Weg zu den richtigen Orten und Leuten finden.»

Marta Manser

Prof. Dr. Marta Manser
Biologin, Verhaltensforschung
Marta Manser erforscht in der Kalahari das Kommunikations-
verhalten der Erdmännchen.

Laufbahn

1988 – 1994 Biologiestudium, Universität Basel
1994 – 1998 Ph.D. Universität Cambridge, Grossbritannien
1998 – 2001 Postdoc Universität Pennsylvania, USA
2002 – 2007 SNF-Förderprofessur, UZH
2008 - 2015  Ausserordentliche Professorin für Verhaltensbiologie, UZH  
seit 2015  Ordentliche Professorin für Verhaltensbiologie, UZH  

Prof. Dr. Marta Manser

Forschungsthema

Die Biologieprofessorin Marta Manser erforscht den Zusammenhang zwischen sozialem Netzwerk und Intelligenz. Ihr Forschungsgegenstand: Erdmännchen. Dabei machte sie eine faszinierende Entdeckung: Die Grösse des Neocortex, also der stammesgeschichtlich jüngste Teil der Grosshirnrinde, steht in direktem Zusammenhang mit dem sozialen Netzwerk. Beim Menschen ist der Neocortex der Sitz kognitiven, also geistigen Fähigkeiten. Bei Tieren dagegen gilt: Je grösser die Gruppe ist, desto ausgeprägter ist auch der Neocortex der einzelnen Tiere. Neben dem Aspekt der Intelligenz erforscht Marta Manser auch das Kommunikationsverhalten und die sozialen Strukturen in Erdmännchen-Gruppen. Neben der Forschung an wild lebenden Erdmännchen in Südafrika wird Manser demnächst an der Universität Zürich eine Referenzgruppe aus in Zoos geborenen Erdmännchen aufbauen.

Weshalb haben Sie sich für die Wissenschaft entschieden?
Als Erstausbildung habe ich eine Lehre als Biologielaborantin bei Hoffmann La Roche abgeschlossen. Die Ausbildung war extrem spannend und anspruchsvoll: Doch mir wurde schon während der Lehre klar, dass die künftige Arbeit viel Routine umfassen würde. Diese Perspektive missfiel mir. Nach dem Lehrabschluss und wenigen Jahren im Labor nahm ich mir eine Auszeit und arbeitete für einige Monate als Freiwillige, in der Funktion eines Park Rangers, im Zion National Park in Utah, USA. Als ich zurückkam war mir klar: Ich will Biologie und Journalismus studieren. Ich schrieb mich bei der AKAD ein und bereitete mich berufsbegleitend auf die eidgenössische Maturitätsprüfung vor.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
Ich liebe die Forschung, die Internationalität und die Tätigkeit als Leiterin eines hoch motivierten, begeisterten Teams. Als Forscherin habe ich die Freiheit, das zu machen, was mich interessiert und fasziniert – etwas, das ich ungemein schätze. Ich stelle nicht irgendein Produkt her, das andere schon vor mir hergestellt haben, sondern arbeite an neuen Erkenntnissen.

Gab es in Ihrer Karriere Durststrecken oder Misserfolge? Wie überwanden Sie diese?
Dank meiner Erstausbildung hatte ich immer Alternativen zur Forschung. Das gibt Sicherheit und Unabhängigkeit. Während meiner Zeit als SNF-Förderprofessorin gab es eine schwierige Phase. Meine Feldforschungen in Afrika erforderten aufwändige Vorbereitungsarbeiten. Das führte dazu, dass ich für den SNF nicht genügend Publikationen hatte. Glücklicherweise hat mich das Zoologische Institut während zweier Jahre weiter unterstützt, so dass ich meine Publikationen abschliessen konnte und international wettbewerbsfähig war. Dies führte schliesslich zu meiner jetzigen Anstellung.

Wer hat Sie in Ihrem beruflichen Umfeld am stärksten unterstützt? Wer im privaten Bereich?
Ich habe von Anfang an für meine Projekte das Geld selbst organisieren müssen.  Dank Stiftungsgeldern meines früheren Arbeitgebers  – Hoffmann La Roche – konnte ich mir für meine Diplomarbeit in Namibia den benötigten Geländewagen kaufen. Ich habe bisher stets das grosse Glück gehabt, den Weg an die richtigen Orte  zu den richtigen Leuten zu finden. Gleichzeitig stellten meine zahlreichen Geschwister mit ihrer bedingungslosen Unterstützung in jeder Hinsicht immer einen enormen Rückhalt dar.

Hatten Sie Vorbilder, die Ihren Werdegang beeinflusst haben? Welche?
Als ich elf Jahre alt war, liefen am Fernsehen Dokumentarfilme wie «Serengeti darf nicht sterben» und die Tiersendungen von Hans A. Traber. Die Filme von Bernhard Grzimek haben mich als Kind völlig in Bann geschlagen: So etwas wollte ich unbedingt auch machen. Später und bis heute sind es meine Mentoren, welche auch nach dreissig Jahren Forschung, die Begeisterung und Neugier von Kindern beibehielten und uns immer wieder in die Faszination der Forschung mitreissen.

Wie stellen Sie Ihre Work-Life-Balance sicher?
Dank meiner abwechslungsreichen Arbeit – ein Mix von Feldforschung in der Kalahari und Lehre hier in Zürich  – brauche ich nicht unbedingt einen Ausgleich. Zudem bewege ich mich nicht nur in der akademischen Welt, sondern bin sozial breit abgestützt. In meiner Freizeit wandere ich in den Alpen, insbesondere dem Engadin, fahre Velo und reise auch gern in andere Länder.

Welche Tipps geben Sie einer ambitionierten Jungforscherin? 
Wer mit Begeisterung auf die Leute zugeht, bewirkt etwas. Das Wichtigste ist deshalb zu wissen, was einen fasziniert. Dann braucht es grosse Eigeninitiative. Kritik sollte man nicht persönlich nehmen, sondern objektiv betrachten und das verwerten, das einen weiterbringt. Und für die Feldforschung in Extremgebieten absolut zentral: Man sollte sich selbst sehr, sehr gut kennen. 


Institut für Evolutionsbiologie
und Umweltwissenschaften

Universität Zürich
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marta.manser (at) ieu.uzh.ch