«Ich will beides, eine anspruchsvolle Arbeit und eine Familie.»

Monica Zwicky

Prof. Dr. Monica Zwicky
Entwicklungsbiologin Monica Steinmann-Zwicky, Tochter einer Schwedin und eines Schweizers, wurde in Zürich geboren und wuchs in Lausanne auf. Sie  hat zwei erwachsene Kinder und ist verantwortlich für die Fachausbildung angehender Biologielehrer und ist Vertrauensperson der MNF.

Laufbahn

1974-1980 Biologiestudium, UZH
1980 Diplom in Genetik, UZH
1980 – 1981 Ph.D.-Projekt, University of California Berkeley, USA
1982 – 1984 Ph.D. in Zoologie, UZH
1995 Habilitation, UZH
2000 ausserordentliche Professorin, nebenamtlich, UZH
seit 2008 Titularprofessorin für Genetik und
Entwicklungsbiologie, UZH

Webseite Prof. Dr. Monica Zwicky

Forschungsthema
Männer lieben Fussball, Frauen Shopping. Solche Klischees illustrieren den kleinen, grossen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Doch wie kommt dieser auf genetischer Ebene zu Stande? Dieser Frage widmet sich ein Forschungsprojekt von Monica Zwicky. Sie und ihr Team untersuchen, welche genetischen Prozesse während der Entwicklung ablaufen, damit sich ein «Männchen» oder eben ein «Weibchen» entwickelt. Monica Zwicky und ihr Team arbeiten für diese Fragestellung mit einem in der Forschung sehr beliebten Tiermodell: der Fruchtfliege Drosophila melanogaster. Während der Entwicklung eines Lebewesens schalten Zellen, die sich differenzieren, spezifische Gene ein oder aus. Zellen bekommen eine sexuelle Identität dadurch, dass viele Gene in den beiden Geschlechtern unterschiedlich reguliert werden. Ein komplexes Kontrollnetzwerk sorgt z. B. dafür, dass Ovarien oder Hoden, Spermien oder Eier gebildet werden. Neue Erkenntnisse zeigen, dass Menschen und Fliegen für solche Entscheide teilweise dieselben Gene benützen. Es ist spannend zu erfahren, welche Gene artenübergreifend wirken. Aber auch Unterschiede von Mensch und Tier sind aussagekräftig, lassen sie doch Schlüsse über die Evolution zu.

Wissenschaftliche Arbeit versus andere Berufstätigkeit: Weshalb haben Sie sich für die Wissenschaft entschieden?
Nach der ersten Genetikstunde im Gymi war für mich klar: Ich will die chemischen Grundlagen des Lebens verstehen und erforschen. Ich bin dreisprachig aufgewachsen, Sprachforschung wäre daher auch in Frage gekommen. Ich habe mich bewusst für Naturwissenschaften entschieden – das saubere, analytische Denken entspricht mir. Es war mir aber auch klar: Ich will beides, eine anspruchsvolle Arbeit und eine Familie. Als eine der wenigen Professorinnen, die auch Kinder hat, habe ich heute eine sechzig Prozent Anstellung. Die restliche Zeit gehörte früher ganz meinen Kindern. Heute leite ich zudem noch eine Firma.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
Durch mein Teilzeitpensum ist bei mir der Lehranteil vergleichsweise hoch. Das gefällt mir gut, da ich die Interaktion mit jungen Menschen geniesse. Ich bin verantwortlich für die Fachausbildung der zukünftigen Biologielehrer. Da ist meine Erfahrung als Mutter zweier Schulkinder sehr hilfreich. Ich bin zudem Vertrauensperson der MNF – auch das eine spannende Tätigkeit, die Fingerspitzengefühl erfordert. Dann gefällt mir die Forschung: Logisches Denken kombiniert mit Wissen. Es geht darum, die richtigen Fragen zu stellen.

Gab es in Ihrer Karriere Durststrecken oder Misserfolge? Wie überwanden Sie diese?
Schwierig war es, als meine Kinder ins Teenager- Alter kamen. Ich hatte damals auch gesundheitliche Probleme, da war es nicht immer möglich, alles unter einen Hut zu bringen, ich musste Prioritäten setzen. Es ist wichtig, eigene Ziele zu haben. Es gibt viele spannende und verantwortungsvolle Aufgaben für jemanden, der sich engagieren will.

Wer hat Sie in Ihrem beruflichen Umfeld am stärksten unterstützt? Wer im privaten Bereich?
Mein Habilitationsvater, Rolf Nöthiger, war ein ausgezeichneter Mentor – die Gespräche mit ihm waren stets eine Bereicherung. Durch ihn erlangte ich auch Zugang zu einem hochstehenden internationalen Netzwerk. Privat bin ich meiner Mutter für ihre tatkräftige Unterstützung sehr dankbar: Als meine Kinder klein waren, gab es praktisch keine Tagesbetreuungsstellen. Ein Au-pair-Mädchen war aus arbeitsrechtlichen Gründen nicht möglich. Meine Mutter hat meine Kinder jeden Tag betreut, zuerst von 9 Uhr bis 16 Uhr, später über die Mittagszeit. 

Hatten Sie Vorbilder, die Ihren Werdegang beeinflusst haben? Welche?
Ich komme aus einer Unternehmerfamilie, in der Frauen nicht die gleichen Möglichkeiten hatten wie Männer. Bei mir hiess es: Wenn Du einen tüchtigen Mann heiratest, kann der ins  Unternehmen einsteigen. Ich bin gegen diese fest zementierten Rollenbilder angetreten und habe mir gesagt: Ich schaff das, ich gehe meinen eigenen Weg. Seit 2008 leite ich die Firma meines Vaters. 

Wie stellen Sie Ihre persönliche Work-Life-Balance sicher?
Die Frauen sind für Ihre Fähigkeit, viele Aufgaben gleichzeitig zu erfüllen bekannt! Ich habe die Tendenz viel zu arbeiten, weil mir meine Arbeit Freude macht. Genauso geniesse ich die Zeit mit meinen beiden Kindern und meinem Partner. Wir machen zusammen Sport - Ski, Tennis...-, reisen viel, besuchen Konzerte usw.

Welche Tipps geben Sie einer Jungforscherin, die eine akademische Karriere ins Auge fasst, auf den Weg?
Es braucht grosses Engagement, die Bereitschaft, sich in eine Materie zu vertiefen und dabei nicht auf die Uhr zu schauen. Wenn man etwas wirklich gerne macht, spielt es keine Rolle, wenn man auch am Abend arbeitet. Weiter sollte man sich bewusst sein, dass niemand auf einen gewartet hat. Dasitzen und auf ein Angebot warten funktioniert nicht. Ich war zur Aus- und Weiterbildung in erfolgreichen Labors im Ausland, und ich habe mich auch an anderen Universitäten beworben. Wenn es klappt, steigt der eigene Wert, und es öffnen sich Möglichkeiten. Hilfreich ist es, wenn man früh einen soliden akademischen Leistungsausweis vorweisen kann. Vorleistungen sind besser als Forderungen, sie überzeugen mehr.

 

Institut für Molekulare Biowissenschaften
Universität Zürich
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