«Die Arbeit, die ich mache, ist unheimlich spannend.»

Eva Freisinger

Prof. Dr. Eva Freisinger
Chemikerin,  Bioanorganische Chemie. Eva Freisinger wurde in Deutschland geboren. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Laufbahn

   
1991 – 1996 Chemiestudium, Universität
Dortmund, Deutschland
1996 Diplom in Bioanorganischer Chemie, Universität Dortmund, Deutschland
1996 – 2000 Ph.D. in Bioanorganischer Chemie, Universität Dortmund, Deutschland
Postdoc in Strukturbiologie, State
2000 – 2003 University of New York at Stony Brook, USA
2003 – 2008 Oberassistentin, Bioanorganische und
anorganische Chemie
2008-2014 UZH SNF-Förderungsprofessorin, Bioanorganische und anorganische Chemie, UZH  

 

Wissenschaftliche Arbeit versus andere Berufstätigkeit: Weshalb haben Sie sich für die Wissenschaft entschieden?

Als mein Mann seine Professur in der Schweiz antrat, habe ich mir zwei Positionen in der hiesigen Pharmaindustrie angeschaut: Ich sah dort keine Möglichkeit mich weiter zu entwickeln. Mir war klar, dass ich in der Industrie die kreative wissenschaftliche Freiheit vermissen würde. Als ich eine Oberassistenz an der Universität Zürich angeboten bekam, griff ich sofort zu.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
Die Unabhängigkeit. Die Arbeit, die ich mache, ist unheimlich spannend. Ich erforsche Metallothionine in Pflanzen – ein noch fast völlig unerforschtes Gebiet. Mein Team und ich, wir bewegen uns quasi auf einer weissen Landkarte und tasten uns als Pioniere Schritt für Schritt vor. Entsprechend wichtig ist für mich der Besuch von internationalen Konferenzen, dort kann ich mich austauschen, dort kriege ich neue Impulse. Zudem geniesse ich die Zusammenarbeit mit angehenden Wissenschaftlern.

Gab es in Ihrer Karriere Durststrecken oder Misserfolge? Wie überwanden Sie diese?
In der Wissenschaft sind Durststrecken normal. Normal ist auch, dass Dinge nicht klappen. Wenn mein Versuch nicht funktioniert, bedeutet dies nicht, dass ich unfähig bin, sondern einfach, dass der Versuch so nicht klappen kann. Häufig ist es auch einfach die noch fehlende Routine, die im Wege steht. Das musste ich als junge Wissenschafterin erst lernen. Und ja, der akademische Mobilitätsanspruch bedeutet  immer wieder eine grosse Herausforderung: Alles ist neu, man kennt keine Leute, hat keine Geräte, muss sich um den bürokratischen Administrativkram wie Aufenthaltsbewilligung etc. kümmern – da hilft nur: durchbeissen, nicht aufgeben und sich einarbeiten.

Wer hat Sie in Ihrem beruflichen Umfeld am stärksten unterstützt? Wer im privaten Bereich?
In meiner bisherigen Karriere fand ich immer wieder liebe Menschen. Aber wissenschaftliche Mentoren im engeren Sinne, die gab es bei mir nicht. Die grösste Unterstützung erhalte ich von meinem Mann, der ebenfalls Wissenschafter ist. Wir teilen uns die Betreuung unseres Sohnes und die Hausarbeit – sonst geht es nicht.

Hatten Sie Vorbilder, die Ihren Werdegang beeinflusst haben? Welche? 
Jan Reedijk, ein inzwischen pensionierter Bioanorganiker beeindruckt mich tief: Der Mann ist ein Phänomen, geistig ungemein wendig und unglaublich effizient. Als ich mich einmal über eine postwendende Antwort von ihm erstaunt zeigte, schrieb er mir die Erklärung für seine Effizienz zurück: «You get more tired from things you postpone, than from things you do.» Ich versuche, mir diese Arbeitshaltung zu Eigen zu machen - der Spruch hängt zur Erinnerung in meinem Büro.

Wie stellen Sie Ihre Work-Life-Balance sicher?
Work-Life-Balance – was ist das? Da arbeite ich noch dran. Nein, Spass beiseite, für mich gibt es keine scharfe Trennung zwischen Arbeit und Leben. Arbeit ist ein Bestandteil von mir. Bei mir heisst es eher «Work-Family-Balance». Seit ich ein Kind habe, nutze ich meine Arbeitszeit intensiver: ich arbeite disziplinierter und effizienter, für unproduktive Zeiten und Pausen ist kein Platz. Als  Ausgleich zu Arbeit und Familie besuche ich zwei- bis dreimal pro Woche das Konditionstraining.

Welche Tipps geben Sie einer Jungforscherin, die eine akademische Karriere ins Auge fasst, auf den Weg?
«Selbst ist die Frau». Eine Jungforscherin muss wissen, was sie will: Was will sie wissenschaftlich erreichen, was interessiert sie? Weiter muss sie sich der Frage stellen: Rein akademische Karriere oder Karriere und Kinder? Im ersten Fall ist Mobilität ohne Rücksicht auf das persönliche Umfeld erforderlich. Für den zweiten Fall ist eine gute Organisation alles. Das akademische Mobilitätskonzept ist sehr anspruchvoll. Es ist ratsam, Kinder erst spät zu haben. Wenn man in die Industrie gehen will, scheint mir die Schlussphase des Doktorats dagegen ideal für eine Schwangerschaft. Persönlich scheint mir wichtig, auf sein Bauchgefühl zu achten und das zu tun, was für einen stimmt.

 

Institut für Chemie
Universität Zürich
Winterthurerstrasse 190
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freisinger (at) aci.uzh.ch