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23.11.2010 08:27

Genetische Isolation macht Orang-Utans extrem anfällig auf Umweltveränderungen

Die Orang-Utan Populationen Borneos sind sehr jung. Dies kann eine internationale Forschungsgruppe um den Anthropologen Dr. Michael Krützen von der Universität Zürich in einer eben publizierten Studie nachweisen. Trotz ihres rezenten Alters sind die verschiedenen Populationen aber genetisch stark voneinander isoliert. Dadurch sind diese grossen Menschenaffen extrem anfällig auf Umweltveränderungen, da das genetische Potential, sich diesen Veränderungen anzupassen, in den jeweiligen Populationen limitiert ist.


Orang-Utans gehören zu den nächsten Verwandten des Menschen und zählen zu den stark gefährdeten Arten. Eine grosse Gefahr für die Orang-Utan-Bestände Borneos, der drittgrössten Insel der Welt, ist die Zerstörung des Lebensraums durch die Gewinnung von Palmöl und Tropenhölzern. Heftig umstritten unter Experten sind die Entstehungsgeschichte der Orang-Utans sowie Fragen zur Stabilität der Populationen. Jetzt kann ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Anthropologen der Universität Zürich in ihrer eben in den Proceedings of the National Academy of Science erschienen Studie erstmals nachweisen, dass Borneos Orang-Utan Populationen sehr jung sind.

Für ihre Forschungen wurden an der Universität Zürich die genetischen Daten praktisch aller auf Borneo aktiven Forschungsstationen ausgewertet. Es handelt sich dabei um die ausführlichste und umfangreichste je durchgeführte genetische Analyse an wildlebenden Orang-Utans. Die so gewonnen genetischen Daten stellen die bisher gültige Taxonomie, die zur Hauptsache auf morphologischen Merkmalen beruhte, in Frage.

«Trotz ihres rezenten Alters unterscheiden sich die verschiedenen Orang-Utan Populationen Borneos genetisch sehr stark voneinander,» fasst Natasha Arora, Hauptautorin des Artikels und Doktorandin am Anthropologischen Institut, die neuen Erkenntnisse zusammen. Verantwortlich dafür sind unter anderem die starke Tendenz der Weibchen, ihr Leben als adulte Tiere in den Regionen zu verbringen, in denen sie geboren wurden, sowie die vielen für die grossen Menschenaffen untraversierbaren Flüsse. Durch ihre begrenzte geographische Verbreitung und die relativ starke genetische Isolation voneinander sind die Orang-Utans Populationen Borneos extrem anfällig gegenüber Umwelteinflüssen wie Klimawandel und anderen durch Menschen verursachte Bedrohungen wie die Zerstörung des Lebensraums. «Die neuen Ergebnisse werden für die Erhaltung der Orang-Utans als Art sehr wichtig sein,» erläutert Michael Krützen die Bedeutung der Forschungsresultate.

Literatur:

Natasha Arora, Alexander Nater, Carel P. van Schaik, Erik P. Willems, Maria A. van Noordwijk, Benoit Goossens, Nadja Morf, Meredith Bastian, Cheryl Knott, Helen Morrogh-Bernard, Noko Kuze, Tomoko Kanamori, Joko Pamungkas, Dyah Perwitasari-Farajallah, Ernst Verschoor, Kristin Warren, and Michael Krützen, The effects of Pleistocene glaciations and rivers on the population structure of Bornean orangutans (Pongo pygmaeus). Proceedings of the National Academy of Sciences. DOI: http://www.pnas.org/content/early/2010/11/19/1010169107.full.pdf+html


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