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26.08.2013 13:57

Wölfe heulen für Alphatiere und wichtige Sozialpartner

Steuern Wölfe ihre Lautäußerungen flexibel oder werden diese eher durch emotionalen Stress ausgelöst? Diese Frage haben Forscher der Universität Wien und der Universität Zürich bei Wölfen des Wolf Science Center im Wildtierpark Ernstbrunn untersucht.


Wölfe heulen, wenn sich hochrangige Rudelmitglieder und wichtige Partnertiere von der Gruppe entfernen. Dies fanden die Wissenschafter kürzlich heraus. Friederike Range, Universität Wien, aus der Abteilung für Vergleichende Kognitionsforschung, erklärt: „Wir untersuchten insgesamt zwei Wolfsrudel. An der Leine sind  wir mit einzelnen Tieren vom Rudel wegspaziert und haben dann das Heulverhalten der zurückgebliebenen Tiere beobachtet.“ Während der Trennung haben die Forscher das Heulen der zurückgebliebenen Tiere auf Video und Tonband aufgezeichnet und stellten einen Zusammenhang zwischen Heulintensität und sozialem Rang des abgängigen Tieres fest. Verließ ein Alphatier das Rudel, wurde verstärkt geheult. Wurden sozial eng miteinander verbundene Wölfe getrennt, löste dies  ebenso starkes Geheul aus.

Stress nicht ausschlaggebend für das Heulverhalten
Wie intensiv die Wölfe heulen ist weniger von ihrem emotionalem Stress abhängig als von der Beziehung des getrennten Tieres.  Nach einem „Heulkonzert“ wurden  Speichelproben von den Wölfen genommen und auf Stresshormone untersucht. Die gemessenen Cortisolmengen spiegelten nicht die Intensität des Heulens wider. Die Heulintensität wird also nicht nur über Stress gesteuert. Simon Townsend vondr UZH erklärt: „Wir vermuten, dass Wölfe zumindest einen Teil ihres Heulens flexibel kontrollieren können.“ 

Wölfe heulen, wenn ein Rudelmitglied sich vom Rudel entfernt
Die Forscher schickten die Wölfe nicht nur auf lange Spaziergänge, sondern brachten die einzelnen Tiere auch in einem benachbarten Gebäude unter. Die zurückgebliebenen Wölfe konnten in jeder Situation beobachten, wohin der Wolf geführt wurde, in den Wald oder in das Nebengebäude. Die Rudeltiere reagierten entsprechend. Befand sich das Tier im Nebengebäude, wurde nicht geheult und weniger Stresshormone wurden ausgeschüttet. Befand sich der Wolf hingegen auf einem Waldspaziergang, heulten die Wölfe umso länger und intensiver. Auch Stresshormone wurden vermehrt produziert. „Dies deutet darauf hin, dass es stressiger für Wölfe ist, wenn sich ein Rudelmitglied so weit entfernt, dass sie nicht mehr wissen, wo es ist“, erklärt Range.

Der wissenschaftliche Artikel „Wolf howling is mediated by relationship quality rather than underlying emotional Stress“, von Francesco Mazzini, Simon W. Townsend, Zsófia Virányi und Friederike Range, wurde vor wenigen Tagen im Journal Current Biology veröffentlicht.

Kontakt:
Dr. Simon Townsend
Universität Zürich
Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften
Winterthurerstr. 190
CH-8057 Zürich

Tel. +41 44 635 52 86
E-Mail simon.townsend (at) ieu.uzh.ch

(Basistext: Dr.rer.nat. Susanna Kautschitsch, Public Relations, Veterinärmedizinische Universität Wien)


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