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27.10.2015 09:21

#New Professor: Chemiker Karl Gademann

Chemie oder Germanistik? Zwischen diesen beiden Studienfächern schwankte Karl Gademann als Maturand und entschied sich für die Chemie. Gademann's Werdegang zeigt exemplarisch, dass ein naturwissenschaftliches Studium - Einsatz vorausgesetzt - mit jedem Maturitätsprofil erfolgreich absolviert werden kann. Der Vater zweier Söhne ist fasziniert von natürlichen Toxinen und ein Verfechter des klassischen Habilitationssystems.


"Chemie verändert das Leben und beeinflusst den Tod." Prof. Dr. Karl Gademann


Gemäss ihrer Homepage untersuchen Sie die Moleküle der Natur. Was fasziniert Sie an deren Chemie?

Karl Gademann (KG): Die Chemie verändert das Leben und beeinflusst den Tod. Mich interessiert, welche Moleküle es in der Natur gibt, was ihre Eigenschaften sind, und was sie im Menschen bewirken. 

Was fasziniert Sie an Cyanobakterien?
KG: Cyanobakterien sind uralt, folglich evolutionsgeschichtlich äusserst erfolgreich, kommen überall vor, wo es Wasser gibt, und besitzen eine sehr hohe lokale und genetische Diversität. Ungefähr ein Viertel ihres Genoms ist für die Produktion von chemischen Metaboliten zuständig. Sie sind kleine chemische Fabriken, die eine riesige Vielfalt von unterschiedlichen Naturstoffen produzieren. Als Primärproduzenten von Zucker wären sie für viele Tiere als Futter attraktiv. Dank ihrer Toxine schützen sie sich wirkungsvoll vor dem Gefressenwerden.

Ihr akademischer Lebenslauf liest sich sehr geradlinig: Studium, Dissertation, Postdoc, Habilitation. Heute ist die Habilitation für eine akademische Karriere nicht mehr zwingend nötig. Gehören Sie einer aussterbenden Gattung an?
KG: Ich bin ein überzeugter Verfechter dieses Wegs: Mit einer Habilitation können begabte Nachwuchsforschende mit geringem Kosteneinsatz zeigen, ob sie das Zeug für eine akademische Karriere haben. Sie forschen zwar unabhängig, sind aber dennoch Teil einer grösseren Gruppe. Als Habilitand müssen Sie, anders als bei den Assistenzprofessuren, nicht gleich fünf oder sechs Leute führen und beschäftigen. Sie sind administrativ wesentlich weniger belastet und können genau das tun, worum es in dieser Phase der Karriere geht: Forschen. Wenn Sie als Assistenzprofessor mit einem Titel und einem grossen Budget den Sprung nicht schaffen, hat das wesentlich gravierendere Folgen für das Selbstvertrauen und die Karriere als für einen Habilitanden mit einem kleineren Budget. 

Akademische Karrieren sind mit Unsicherheiten behaftet. Wie gingen Sie damit um?
KG: Eine akademische Karriere zu machen, ist ein Privileg. Bis im Alter von 38 Jahren hatte ich nie eine feste Stelle, d.h. ich war immer mit Jahresverträgen als Assistent angestellt. Ich habe mir allerdings keine Sorgen für die Zukunft gemacht, sondern stets auf die Qualität meiner Arbeit vertraut. 

Was hat Sie bewogen, Chemie zu studieren?
KG: Nach einem Praktikum bei der Cilag in Schaffhausen war mir klar, dass ich entweder Germanistik oder Chemie studieren würde. Den Ausschlag gegeben hat mein Deutschlehrer an der Kantonsschule Hottingen. Er sagte mir, dass ich mit einem Chemie-Studium deutsche Literatur immer als Hobby pflegen könnte. Das umgekehrte Setting wäre dagegen nicht möglich. Damit war für mich die Sache klar.

Sie haben eine Wirtschaftsmatura. War es für Sie damit schwieriger, in einem naturwissenschaftlichen Fach Fuss zu fassen?
KG: Oh, ich bin kein Wunderkind gewesen. Daher war mir auch von Anfang klar, dass ich mich in der Mathe-Vorlesung im ersten Semester des Chemie-Studiums an der ETH würde anstrengen müssen. Das ist übrigens etlichen Kommilitonen mit einer C-Matur damals zum Verhängnis geworden: Weil der Mathe-Stoff für sie am Anfang Repetition war, besuchten sie die Vorlesungen nicht und verloren innerhalb kürzester Zeit den Anschluss an uns. Fazit: Man kann mit allen Maturitätsabschlüssen ein naturwissenschaftliches Studium erfolgreich absolvieren, vorausgesetzt man interessiert sich für das Fach und setzt sich ein.

Was macht eine erfolgreiche akademische Karriere aus?
KG: Neugierde und Enthusiasmus. Oder um es mit dem Chemiker Donald Cram zu sagen: When you attack a problem, surround it!


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