#New@MNF - Prof. Tina Perica

Tina Perica

Bevor sie an die UZH kam, war Tina Perica Postdoc an der University of California, San Francisco, gewesen. Am 1. Juli fing sie in der Biochemie als Assistenz-professorin mit Tenure Track an. 

Die gebürtige Kroatin Tina Perica verbindet in ihrer Forschung Biochemie und Systembiologie. Aufgrund der SARS-CoV-2-Beschränkungen nahm sie ihre Stelle an der Medizinischen und der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der UZH an, ohne die UZH vorher persönlich besucht zu haben.

 

Wie ist Ihr Start verlaufen und wo liegen die besonderen Herausforderungen beim Aufbau eines Labors und einer Forschungsgruppe unter dem derzeitigen Corona-Regime?

Tina Perica (TP): Der gesamte Einstellungsprozess fand unter den Corona-Beschränkungen statt: Als ich mich für diese Stelle bewarb, hatte die US-Regierung Vorschriften erlassen, nach denen es Nicht-US-Bürgern nicht erlaubt war, wieder in das Land einzureisen. Da ich meinen Mann und meine Tochter sowie meinen Job in Kalifornien hatte, konnte ich folglich nicht nach Europa reisen. Also nahm ich das Angebot der UZH blind an - ohne vor Ort gewesen zu sein und ohne das Institut oder die Labor- und Büroräume gesehen zu haben. Ich lernte meine zukünftigen Kollegen nur über Zoom kennen!

 

Ein ziemlicher Vertrauensvorschuss. Wie hat sich Ihre Situation entwickelt?
TP: Bis jetzt sehr gut – es gibt nichts zu bereuen. Ich denke, selbst wenn ich die UZH hätte besuchen können, erfordert ein solcher Schritt immer einen Vertrauensvorschuss. Selbst wenn man drei Tage oder so an eine Hochschule besuchen kann, gibt es auch dann immer noch viel mehr Dinge, die man nicht kennt, als Dinge, die man kennt. Aber es ist eine enorme Erleichterung, endlich am Campus Irchel zu sein. Ich bin gerade dabei, meine Forschungsgruppe, mein Labor und meine Büroräume einzurichten und bin sehr dankbar, dass ich auf meine Stockwerksnachbarn aus der Gruppe Plückthun zählen kann, die mich unterstützen.

 

Haben Sie Forschende aus Ihrer früheren Gruppe mitgebracht und wie finden Sie hier in der jetzigen Situation Doktoranden?
TP: Ich fange hier bei Null an! Aber ich bin in einer guten Situation. Ich bin Teil der Life Science Zurich Graduate School und der Pool an PhD-Kandidat*innen ist großartig. Ich hoffe, dass ich bald ein bis zwei Doktorand*innen einstellen kann.

 

Was sollten Ihre Doktorand*innen mitbringen? 
TP: Nun, ich habe noch nie jemanden eingestellt, deshalb bin ich mir nicht sicher. Aber ich möchte, dass die "wissenschaftliche Chemie" zwischen uns stimmt. Ich hoffe, dass ich Student*innen finde, die mutig und motiviert sind. Es ist leichter für mich, die Stimme der Vernunft im Team zu sein, als diejenige, welche die Student*innen ermutigt, mutiger an eine Sache heranzugehen. Ich suche auch nach Freundlichkeit und wissenschaftlicher Bescheidenheit. Ich wäre nicht erfolgreich genug gewesen, um heute Professorin zu sein, wenn meine Mentorinnen in ihren Labors nicht eine gute und freundliche Kultur gepflegt hätten. Ich möchte nicht, dass meine Student*innen jemals Angst hat, ins Labor zu kommen. Ich hoffe, dass die Zeiten, in denen "alles verziehen wird, wenn man erfolgreich ist", in der Wissenschaft vorbei sind.

 

Sie haben im Labor von Sarah Teichmann an der Universität von Cambridge promoviert. Teichmann ist neben ihrem wissenschaftlichen Ruf auch als Aktivistin für die Förderung von Wissenschaftlerinnen bekannt. Wie hat Sie das geprägt?
TP: Ich habe viel von Sarah gelernt - sowohl als Forscherin als auch auf persönlicher Ebene. Sarah ist freundlich, mutig und erfolgreich. Sie setzt sich für die Mitglieder ihrer Gruppe ein. Selbst jetzt, wenn ich mich in einer schwierigen beruflichen Situation befinde, frage ich mich: "Was würde Sarah tun?". In wissenschaftlicher Hinsicht habe ich in Sarahs Labor Bioinformatik und computergestützte biologische Ansätze sowie ein breit gefächertes biologisches Denken gelernt.

 

Sie haben fast acht Jahre mit Tanja Kortemme an der University of California, San Francisco, verbracht. Wie hat diese Zeit und Erfahrung Sie geprägt?
TP: Ich habe das Labor und das Leben in Kalifornien geliebt. Wissenschaftlich gesehen war es eine ziemliche Reise. Ich wollte in die Systembiologie einsteigen und hatte das Glück, ein Stipendium des Wellcome Trusts zu erhalten. Dieses ermöglichte es mir, die ersten Jahre mit Lernen und dem Erkunden von neuen Wege zu verbringen. Letztendlich denke ich, dass sich dies gelohnt hat: Ich konnte all die neuen Dinge nutzen, die ich gelernt habe, um mich als Wissenschaftlerin weiterzuentwickeln. Ich hoffe nun, dass ich die Nische, die ich mir geschaffen habe, zu einer erfolgreichen Forschungsrichtung weiterentwickeln kann. 

 

Sie untersuchen Proteinstrukturen und ihre Funktion auf Systemebene, indem Sie Biochemie und Computerbiologie kombinieren. Wie wichtig ist es, dass dieselbe Person, die das Experiment durchführt, auch die Daten analysiert? Mögliche Nachteile?
TP: Meine Forschung produziert größere Mengen an Daten als typische biochemische Experimente. Außerdem setzen wir unterschiedliche Methoden ein. Dies bedeutet eine zusätzliche Herausforderung, weil wir verschiedene Arten von Daten integrieren müssen. Es gibt keine Standardmethoden für diese Art von Analysen. Wenn ein und dieselbe Person die biologischen, biochemischen und statistischen Aspekte versteht, kann sie daher relevante und interessante Muster schneller erkennen. Aber natürlich kann es passieren, dass man am Ende "das Rad neu erfindet" oder einfach nicht über genügend spezifisches biologisches oder mathematisches Wissen verfügt. Deshalb ist es wichtig, die Fragen immer mit Spezialisten aus verschiedenen Bereichen zu diskutieren.

 

Wie erklären Sie jemandem, der keinen biologischen Hintergrund hat, Ihren Forschungsansatz?  
TP: Die Biochemie untersucht isolierte Proteine, indem sie sie in eine Pufferlösung gibt und die Proteineigenschaften mit verschiedenen Methoden untersucht. In der Genomik und Proteomik werden Hunderte oder Tausende von Genen und Proteinen in der Zelle gleichzeitig untersucht. Ich interessiere mich für die Kombination von beidem: Wie interagieren die biochemischen Eigenschaften von Proteinen in der Zelle miteinander?

 

Wie wird Ihre Forschung finanziert?
TP: Im Moment werde ich durch den Forschungskredit, den ich von der UZH erhalten habe, unterstützt. Ich fühle mich sehr glücklich, denn dies Grundfinanzierung durch die UZH ist ein grosser Vorteil und macht einen grossen Unterschied zur Finanzierungssituation an vielen anderen Orten. Zurzeit schreibe ich Förderanträge, um weitere Mittel für meine Forschung zu bekommen.  


 

Calista Fischer

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